HINTER DEN KULISSEN HOCHZEIT

Work in Progress: Von Blau zu weiß

ROHMY Couture Custom dress

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich in den allermeisten Fällen den Geschmack meiner Kundinnen bei Spezialanfertigungen auf Anhieb treffe – bei Anfertigungen, die auf Original-Entwürfen von mir basieren ja ohnehin, die wurden ja gezielt so ausgesucht. In seltenen Fällen kommt es aber  vor, dass es mal etwas länger dauert, ein Beispiel zeige ich euch heute. Ich bekam die Erlaubnis, über den Findungsprozess des Kleides zu sprechen 🙂

Meine Kundin hatte sich in mein Libellenkleid Nr 1 verliebt – es war ihr aber noch zu schlicht, und ihr gefielen gleichzeitig die drapierten asymmetrischen Entwürfe meiner „Nocturne“-Kollektion. Sie wünschte sich daher eine Art Mischung aus beiden Stilen.

Obendrauf hatte sie die Vorstellung, anstatt einfarbig, partiell noch einen mit Farbverlauf von Blau zu Weiß gefärbten Stoff einzusetzen, wollte zum Originalstoff nebst Seidenchiffon auch noch Spitzenstoff kombinieren, und wollte das Kleid „sexier“ haben, mit langem Beinschlitz an einer Seite.

Ich liebe ja Herausforderungen, befürchtete aber schon, dass es ein wenig „too much“ werden könnte – eine begründete Befürchtung wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte:

Meine ersten Vorschläge wurden komplett abgelehnt – was ich ein bisschen erwartet hatte, denn aus Erfahrung weiß ich, dass man oft erst am Kleid selbst sieht, wenn etwas, das in der Vorstellung toll aussieht, dann doch nicht so ganz „rund“ ist.

ROHMY Couture Custom dress

ROHMY Couture Custom dress

ROHMY Couture Custom dress

ROHMY Couture Custom dress

Ich begann also, sukzessive zu reduzieren und bot zunächst Entwürfe an, die den blauen Farbverlauf nur noch minimal unter der Spitze am Saum hatten, als wäre das Kleid lediglich unten in blaue Farbe getaucht worden, die langsam nach oben ausläuft…

… doch das war ihr dann wieder zu wenig, gleichzeitig stimmte sie mir inzwischen zu, dass es in diesem Fall mit dem wilden Mix aus Chiffon, Spitze, Farbverlauf und Drapierung nicht zusammenpasste, und entschied sich, statt auf die Spitze lieber auf den Farbverlauf zu verzichten, egal wie schön er grundsätzlich ja war. Aus dem gefärbten Chiffon-Stoff fertigte ich dann eine leichte Stola/ Schal für sie an, den sie auch unabhängig von der Hochzeitsfeier tragen konnte.

ROHMY Couture Custom dress

ROHMY Couture Custom dress

Auch wenn das für mich Arbeit umsonst bedeutete – schließlich hatte ich Zeit ins Färben investiert – begrüßte ich diese Entscheidung, arbeitete mich weiter vor und bot den Entwurf an, der mein persönlicher Favorit war:

ROHMY Couture Custom dress

Einfarbig, ohne Chiffon, nur mit Spitze und diese weder „aufgebauscht“ noch drapiert sondern elegant lang nach unten fallend, der Beinschlitz konnte bei Bedarf komplett verdeckt werden, dass er sich nur öffnet, wenn man es darauf anlegt. (Dass ein Ärmelchen aus Chiffon und das andere aus Spitze ist, liegt nur daran, dass ich ihr beide Varianten zeigen wollte, beim endgültigen Entwurf wäre natürlich an jeder Seite der gleiche Stoff.)

Ich überlegte auch, den Spitzenteil des Rockes abnehmbar zu gestalten, so dass man das Kleid ggf. auch ohne Spitzenrock mit dann weiterem Beinschlitz tragen könnte:

ROHMY Couture Custom dress

Mit diesem Kleid waren wir also bei der Variante, von der ich ausging, dass sie gewählt wird, weil sie, wie erwähnt, mir am besten gefiel… aber:

Der Entwurf war meiner Kundin in der Variante nun zu schlicht:

Sie wollte wieder mehr Drapierung, fand den langen Spitzenrock zu formal und auch die abnehmbare Variante war keine Option für sie. Also „baute“ ich wieder etwas mehr dran, und habe mit meinem letzten Entwurf – der eigentlich so ähnlich war wie eine der ersten Varianten oben, nur ohne Farbverlauf – dann endlich ins Schwarze getroffen (entschuldigt die fürchterlich schlechten Bilder, ich habe von den einzelnen Arbeitsschritten gefühlt eine Million Fotos hin- und her versendet und ausgerechnet beim finalen Ergebnis vergessen, ordentliche Fotos zu machen)

ROHMY Couture Custom dress

Und das schönste dabei:

Auch wenn ich das persönlich so nicht entworfen hätte, sah ich, nachdem es fertig war und sie mir schließlich ihre Hochzeitsfotos schickte, dass es genau richtig war. So wie es war, passte es viel besser zu ihrer ausgelassenen, fröhlichen Art und ich kann mir diese Hochzeitbilder gar nicht mit meinem eigenen favorisierten Entwurf an ihr vorstellen. Genau darum liebe ich es, dass ich so eng mit meinen Kundinnen zusammenarbeiten kann: Weil es mir ermöglicht, die perfekten Kleider für sie zu entwerfen, die genau zu ihnen passen, in denen sie sich wohlfühlen. Und meinen Lieblingsentwurf dieses Findungsprozesses werde ich, sobald ich mal etwas Extra-Zeit übrig habe, als Musterkleid für meine Kollektion umsetzen 😉

Die Bilder ihrer Hochzeit mit dem finalen Entwurf könnt ihr HIER sehen.

Habt einen schönen Tag,

Eure Rohmy

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