Fortsetzung: Transparenz im Netz – Kennzeichnungspflicht und große Verunsicherung

Bevor ich mit der #mmtm-Serie fortfahre, muss ich einen kurzen Hinweis einschieben – beziehungsweise mehrere, denn noch während ich das hier tippte, trudelten bereits die nächsten Nachrichten zu Neuerungen bei mir ein, und ich komme derzeit kaum mit der Umsetzung hinterher. Dass ich auf sämtlichen Plattformen weniger häufig als sonst poste, liegt daran, dass ich gefühlt nur noch an AGB- Änderungen und Seiten-Anpassungen wegen neuer Gesetze sitze. Doch eines nach dem anderen, heute geht es zunächst einmal mehr um das Thema „Transparenz im Netz“:

Bis auf weiteres werde ich sämtliche Posts, in denen es um meine Arbeit geht oder in denen ich die Produkte / Werke anderer verlinke, als „Werbung“ kennzeichnen. Warum, könnten einige von euch schon mitbekommen haben:

Derzeit hagelt es bei diveresen Influencern Abmahnungen, wenn sie etwa auf Instagram Marken taggen. Und letzteres völlig unabhängig davon, ob sie für die Werbung bezahlt werden und es sich um eine klassische Anzeige handelt, oder ob sie sich die Teile selbst gekauft haben. Es gab es auch Abmahnungen, wenn Freunde / Lebensgefährten etc. auf Bildern verlinkt wurden, schließlich könnte man dem Freund ja durch diese Art der „Schleichwerbung“ ein paar neue Follower verschafft haben… Nun herrscht natürlich große Unsicherheit, und wer sich auf der sicheren Seite wähnen will kennzeichnet jetzt vorsorglich alles als Werbung.

Ich freue mich einerseits, dass das Thema „Schleichwerbung“ endlich auf größere Beachtung stößt, finde allerdings die derzeitige Umsetzung mit einer Kennzeichnungspflicht etwas weltfremd und befürchte, dass dadurch keine Transparenz entsteht sondern das Gegenteil eintritt:

Wird alles pauschal als „Werbung“ gekennzeichnet, ist eine Trennung redaktioneller Inhalte und tatsächlich bezahlter Artikel, also klassischer Anzeigen, gar nicht mehr möglich – genauso wenig, wie wenn gar nicht gekennzeichnet wird.

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Aus umgekehrter Sicht als Produzent finde ich es übrigens auch sehr unschön, wenn jemand, der ein Kleid von mir gekauft hat und meine Seite dann verlinkt, das als Werbung kennzeichnen muss, denn dadurch entsteht möglicherweise der Eindruck, dass ich jeden dafür bezahle, meine Produkte zu bewerben. Es gibt eben auch glückliche Kunden, die einfach nur aus Freude ihre von mir für sie angefertigten Kleider teilen wollen.

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Ich wünsche mir daher eine Lösung, bei der für den Betrachter klar erkenntlich zu sehen ist, ob es sich um eine mit Geld oder Sachleistung bezahlte Anzeige, das Ergebnis einer freien Kooperation, bei der niemand etwas verdient oder einfach einen Hinweis auf ein selbstgekauftes Produkt handelt.

Wie beispielsweise in Modezeitschriften:

Da finden sich Berichte, Fotostrecken oder Interviews, in denen auch Marken in Szene gesetzt und genannt werden, während ihr im selben Magazin Seiten mit Werbeanzeigen von Firmen findet, die, selbst wenn sie ebenso hochwertig gestaltet sind wie die Editorials, doch klar als Anzeigen erkennbar sind.

Und ich wünsche mir Antworten auf Fragen, wie etwa: Muss ich jetzt auch Berichte über Museumsbesuche als Werbung kennzeichnen? Denn auch hier mache ich ja irgendwie für die Institution oder den Künstler Werbung… Muss ich neutrale Produkttests, bei denen das Produkt vielleicht sogar schlecht abschneidet als Werbung kennzeichnen, weil ich die Marke genannt habe…? Kriege ich jetzt Probleme mit dem Finanzamt, wenn der (falsche) Eindruck entsteht, dass ich mit jedem Post Werbeeinnahmen in Form von Geld- oder Sachleistungen generiere…?

Bislang waren die Regeln ja einigermaßen klar: Bei einem ausführlichen Bericht über Ausstellungsbesuch x, bei dem ich den Eintritt selbst bezahlt habe, und auch sonst keinerlei Vergütung des Veranstalters erhalte, handelte es sich nicht um eine Anzeige. Lobe ich aber in einem „Artikel“ Produkt x über den grünen Klee, vielleicht noch mit von der Firma vorgegebenem Text und werde dafür von der Firma bezahlt, ist es selbstverständlich Werbung. Leider haben sich zu viele Influencer an diese Regel nicht gehalten und haben im großen Stil Schleichwerbung betrieben. Das muss natürlich zu Recht geahndet werden. (Mehr zu diesem Thema habe ich in meinem Beitrag über -> Transparenz im Netz geschrieben). Die Konsequenz ist nun, dass jeder, der irgendetwas postet, erst einmal unter Generalverdacht gestellt wird und alles gekennzeichnet werden muss.
Das war meine Einordnung zum Thema, und ein kurzer Überblick darüber, warum ihr demnächst auf Instagram (nicht nur von mir) mit Werbung wahrscheinlich zugeschüttet werdet – falls jemand weitere Informationen hat oder mich korrigieren kann, freue ich mich über jeden Hinweis.

Habt einen schönen Abend,

Eure Rohmy

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