ROHMY Couture - historical clothing

#MMTM 3 – Your 2018 business story: Wie alles begann: Von Lackhosen aus Tischdecken und Keltenfürsten

Heute folgt die Fortsetzung der # MarchMeetTheMaker – Aktion, bei der es darum geht, im laufenden Monat März die eigene Business-Story zu erzählen.*)

Die anderen Tage findet ihr hier:

Tag 1 & 2 (Wer & Wo)  /// Tag 4 & 5 (Lieblingsteile & Produktfotographie)

Tag 3: HOW YOU STARTED

 

Keltengruppe Epona / Foto: ROHMY.net

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Ich habe schon lange bevor ich daran dachte, das ganze zu einem Beruf zu machen, Kleider „entworfen“ und genäht. Der Grund dafür war simpel: Ich war ein 14-jähriges Goth Kid Grufti, brauchte dringend die erforderliche nonkonformistische passende Ausstattung, hatte aber kein Geld für teure Szenekleidung, geschweige denn für die schwarzen viktorianischen Ballkleider, die mir so vorschwebten :D

Ich beschränkte mich daher anfangs erstmal auf Flohmärkte und Second Hand-Läden, um die dort gekauften Schätze, sofern sie nicht gleich den ästhetischen Ansprüchen meines Teenager-Ichs genügten, mehr oder weniger stümperhaft umzuschneidern: Da wurde dann schon mal aus einem langärmligen Overall mit weitem Bein aus schwerem Baumwollsamt eine hüftlange Jacke, oder aus einem Nachthemd eine Rüschen-Bluse.

Irgendwann fing ich an, mit Stoffen und eigenen Schnitten zu experimentieren. Heißt, ich nahm irgendwelche alten T-Shirts, Röcke und Hosen, pauste deren „Grundschnitt“ ab, pfriemelte mit viel Herumprobieren neue „Schnittmuster“ daraus, und verzierte das Endergebnis mit Ketten, Nieten, Stickereien oder Perlen.
Im Zuge dieser Experimente lernte ich viel Wertvolles, wie etwa, dass sich schwarz glänzend beschichtete Tischdecken nicht dazu eignen, sich Lackhosen daraus zu schneidern, es sei denn, man hat nicht vor sich jemals darin zu bewegen.

Und weil wir schon dabei sind, gleich noch #protipp Nummer zwei an den Nachwuchs:

Verziert eure Jeans niemals mit schwarzem Edding während ihr sie anhabt. Eure Beine sehen danach aus, als wärt ihr im besten Fall von einem Eichhörnchen verprügelt worden – oder als hätten sie an einigen Stellen angefangen zu faulen.

Eines Tages war dann klar, dass ich das auch beruflich machen möchte, und als Konsequenz folgte die Professionalisierung von der Pike auf.

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ROHMY Couture "Dolls" Series

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Ich habe einen Abschluss in Textiltechnologie, und studierte, nachdem ich meinen Gesellenbrief als Damenmaßschneiderin in der Hand hatte, schließlich Modedesign. Nach dem Studienabschluss folgten Jobsuche und Ernüchterung, wobei die Ausführung hier den Rahmen sprengen würde.

Nur soviel:

Ich kann eine ganze Reihe Geschichten zum Thema Ausbeutung junger (Mode-)Studienabgänger erzählen. Vielleicht eine Idee für einen zukünftigen Blogpost?

Spätestens als mir von einem aufstrebenden Designer ein Vertrag angeboten wurde, bei dem ich dessen ganzen Laden schmeißen sollte, und das zu einem Stundenlohn, der weit unter dem Satz lag, den ich in meinem Nebenjob als Putzhilfe erhielt, dachte ich mir… wenn ich schon derart wenig verdiene, während ich mich rund um die Uhr für den Aufbau eines neuen Labels aufopfere, dann mache ich das für MEIN Label und nicht für das eines anderen. Rückblickend die richtige Entscheidung:

Ich machte mich als Schnittdirectrice und Modedesignerin selbstständig, und verdiente mein Geld mit Auftragsarbeiten: Neben einfachen Änderungen und eher klassischen Korsagen und Brautkleidern, habe ich historische Gewandungen und Kostüme hergestellt, letztere für Kunden, für die ich bereits während des Studiums gearbeitet hatte. Ein paar davon spielten in Fernsehdokumentationen, z.B. über Vertingetorix und die letzte Schlacht der Kelten, oder Gustav Adolf II und den Dreißigjährigen Krieg mit.
Einen Blog zum Thema Kostümgeschichte führte ich auch, nahm ihn allerdings vor wenigen Jahren aus Zeitmangel vom Netz. Weil ich die meisten Bilder aus diesen Tagen nicht hier, sondern nur auf dem damaligen Blog veröffentlicht hatte (ich wollte mein eigenes Label und die Kostümsachen getrennt halten), seht ihr unten nochmal ein paar Bilder die ich von Gewandungen und Kostümen gemacht habe.

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ROHMY Couture - historical clothing / Schweden Uniform 30 jähriger Krieg

Keltengruppe Epona / Foto: ROHMY.net

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Natürlich gab es auch einige freie Projekte, wie unser (unvollendetes) Italienisch/ Deutsch/ Norwegisches Filmprojekt, für das ich mich mit anderen befreundeten Künstlern eine Weile lang jedes Jahr in Italien für die Dreharbeiten und Fotos getroffen habe. Wobei “frei“ in dem Fall bedeutet, dass ich gegen Flugtickets, Kost und Logis arbeitete. (Weitere Bilder davon findet ihr HIER)

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ROHMY Couture & Blackfoil Films

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Während die Auftragsarbeiten dem Broterwerb dienten (deswegen aber nicht minder Spaß machten), nähte ich nebenher natürlich weiterhin Kleider nach eigenen Entwürfen, von denen ich immer mal wieder welche bei Dawanda und einmal auf einer kleinen Modemesse zum Verkauf anbot. (Weitere Bilder von der Messe findet ihr HIER)

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ROHMY Couture at Fashion City East

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Auf diesen ersten Entwürfen basierend – die von Beginn an die geflochtenen Schnüre enthielten, die sich inzwischen zu meinem Markenzeichen entwickelten – entstand 2012 meine erste Kollektion „Sirens“ . Und während sich das Interesse an meinen eigenen Entwürfen bis dato eher in Grenzen gehalten hatte, fand ich kurz nach Veröffentlichung plötzlich unerwartet viele Anfragen nach den Kleidern in meinem Email- Postfach. Als Ursache stellte sich heraus, dass die Kollektion von einigen Blogs und Online-Magazinen geteilt worden war, und dadurch – vor allem in den USA – etwas Verbreitung erfahren hatte. Noch im Jahr der Veröffentlichung schloss ich Verträge mit Designerboutiquen in Singapur und Berlin, die jeweils Einzelstücke aus der Kollektion in ihr Sortiment aufnahmen.

Da das nicht so lief wie geplant (ich verdiente an diesem „Geschäftsmodell“ schlicht viel zu wenig, was sich aber aufgrund mangelnder Erfahrung meinerseits, erst herausstellte, als es für die laufende Saison zu spät war), beschloss ich, statt die Verträge zu verlängern, vorerst auf den Verkauf meiner Kleider über Händler zu verzichten, und meine Kollektion exklusiv, individualisierbar und maßgeschneidert anzubieten, und – das wichtigste – meine Arbeit nicht mehr derart unter Wert zu verkaufen.

Eine weitere richtige Entscheidung:

Im Spätsommer 2013 eröffnete ich meinen Onlineshop auf „Etsy“, und kann mich mittlerweile komplett auf die Herstellung und den Verkauf meiner eigenen Entwürfe konzentrieren :)

Singapur war im übrigen nicht nur schlechte Erfahrung, im Gegenteil. Mehr dazu aber in einem der folgenden Posts!

Beim nächsten Mal folgen Produktfotografie und Lieblingsteile,

Eure Rohmy

*) Dabei wird von der Initiatorin Joanne Hawker für jeden Tag ein Thema vorgegeben, zu dem man dann etwas über sich und seine Firma schreiben kann. Auf Instagram und Facebook poste ich täglich, hier auf dem Blog werde ich immer ein paar Tage auf deutsch zusammenfassen, oder auch mal ein Thema ausführlicher behandeln. Ich versuche heute auch direkt, die nächsten Posts vorzuplanen, so dass sie online gehen ohne das ich unbedingt selbst online sein muss: Bei uns gibt es derzeit Probleme mit dem Internetempfang und ich habe nur sporadisch WLAN. Der Techniker ist für Samstag angekündigt, solange muss ich noch um etwas Geduld bitten, was die pünktliche Veröffentlichung der Posts angeht :)

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